Nachruf und Trauerrede für Sr. Hildeburga

Nachruf für Sr. M. Hildeburga Rupprecht
„Gott macht alles recht. Ihm will ich vertrauen und glauben.“

Sr. M. Hildeburga wurde am 16.04.1933 in Bärnfels bei Obertrubach als drittes Kind von sieben Geschwistern geboren und auf den Namen Maria getauft. Die Kindheit war unbeschwert, geprägt von der Natur und von einem tiefen christlichen Glauben. Als Maria 14 Jahre alt war, trat ihre sechs Jahre ältere Schwester Anna (Sr. Marietta) bei den Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen ein. Von da an war der Gedanke an ein Ordensleben für Maria etwas Vertrautes, bekam Anziehungskraft und wuchs im Stillen. Nach Volksschule und Berufsschule half Maria zunächst auf dem elterlichen Hof, bevor sie sich als 19-jährige entschloss, ihrer Schwester zu folgen. Maria trat am 01.10.1952 in die Kongregation ein – zwei Tage nach der Ablegung der Ersten Profess von Sr. Marietta. Nach Abschluss des Grundlehrganges für Hauswirtschaft in Vierzehnheiligen (1952/53) absolvierte sie die Krankenpflegeschule in Mainkofen, wurde 1955 eingekleidet und erhielt den Namen Sr. M. Hildeburga. Zwei Tage später trat ihre jüngere Schwester Margarete (Sr. Christa) in unsere Gemeinschaft ein.

Nach dem Noviziat wirkte Sr. Hildeburga als Krankenschwester in Mainkofen und Erlangen, bevor sie 1964 nach Wickendorf versetzt wurde. Dort leitete ihre Schwester, Sr. Marietta, seit 1956 den Kindergarten. Neben ihrer Tätigkeit in der ambulanten Krankenpflege übernahm Sr. Hildeburga ab 1966 das Kochen für die Schwestern und für die auswärtigen Kinder. Nachmittags half sie im Kindergarten. Sie entfaltete Geschick, übernahm Verantwortung und absolvierte im Jahr 1974 einen Kurs für Erzieherinnen in Regensburg. Wickendorf wurde zum Lebensinhalt. Der Einsatz war sehr vielseitig: neben Krankenpflege und Kindergarten galt es, Mesnerdienste zu übernehmen und das Pfarrhaus samt Garten zu betreuen. Zweimal wurde Sr. Hildeburga die Konventleitung anvertraut. Abgesehen von Aushilfseinsätzen in Mainkofen und München blieb Sr. Hildeburga bis zur Auflösung der Filiale im Jahr 1992 in Wickendorf – 28 Jahre lang. Obwohl Sr. Hildeburga die ruhigere der beiden Schwestern war und meist im Hintergrund blieb, bewies sie Mut und Energie: wenn weder Sr. Marietta noch sonst mutige Männer bei Eis und Schnee die Kinder aus den umliegenden Dörfern im Frankenwald abholen oder heimfahren wollten, spannte Sr. Hildeburga die „Greifer“ auf die Reifen und fuhr los. Ruhig und sicher brachte sie die Kinder ans Ziel.

Nach dem schweren Abschied in Wickendorf, dem Umzug ins Mutterhaus und einer zweimonatigen Erholungszeit folgte ein 13-jähriger Einsatz in Münchshöfen. Sr. Hildeburga betreute die Behinderten in der Bastelstube und übernahm den Dienst in der Sakristei. Auch dort zeigte sich ihre vielseitige Begabung; sie sah, wo Arbeit war, übernahm sie mit großer Selbstverständlichkeit und bewies Geschicklichkeit. Die Patienten mochten Sr. Hildeburga – die Ruhe, die sie ausstrahlte, wirkte wohltuend auf Bewohner und Mitarbeiter.

Unser Konvent in Münchshöfen wurde im Jahr 2005 aufgelöst – für Sr. Hildeburga hieß es noch einmal, Vertrautes zu verlassen und neu anzufangen. Sie kam nach Gößweinstein, wo sie im Refektor und in der Kapelle Dienste übernahm. 2007 erfolgte die Versetzung ins Mutterhaus. Das Eingewöhnen fiel nicht schwer – ihre beiden Schwestern lebten dort. Sr. Marietta war seit einem Schlaganfall auf Pflege angewiesen. Sr. Hildeburga half gern bei der Betreuung im Pflegestock. Dann folgte die wohl schwerste Zeit im Leben von Sr. Hildeburga: 2007 verstarb Sr. Marietta, nur ein Jahr später überraschend auch Sr. Christa. Ein Teil von Sr. Hildeburga schien mit den beiden Schwestern zu sterben. Sr. Hildeburga zog sich zurück. Schweres verknüpfte sie mit tiefem, innigem Gebet. Niemand von uns weiß, wie viele Menschen sich ihrem Gebet anvertraut haben.

Die Kontakte zu Ihrer Familie waren ihr wichtig und diese waren stets herzlich. Mit großer Freude feierte Sr. Hildeburga ihren 80. Geburtstag im Kreis ihrer Angehörigen und Mitschwestern. Im Übrigen wurde ihr Aktionsradius immer kleiner. Im Sommer dieses Jahres zog Sr. Hildeburga wegen zunehmender Hilfsbedürftigkeit in den Pflegestock um. Ein Besuch auf dem Friedhof am Grab ihrer Schwestern gehörte jedoch bis zuletzt zu ihrem Tagesablauf. Wurde Sr. Hildeburga nach ihren Wünschen gefragt kam immer nur eines: „Ich hab doch alles. Gott macht alles recht…“ – in großer Gelassenheit und Zufriedenheit. Dabei wuchs die Sehnsucht nach dem Jenseits – Sr. Hildeburga sprach in den vergangenen Wochen wiederholt davon, sterben zu wollen.

In den letzten Tagen war Sr. Hildeburga deutlich schwächer. Am Morgen des 15. November erlitt Sr. Hildeburga kurz nach dem Frühstück einen Krampfanfall und war von da an nicht mehr ansprechbar. Nur wenige Stunden später verstarb Sr. Hildeburga – mit einem unbeschreiblich friedlichen Gesichtsausdruck. Sr. Hildeburga ist dort angekommen, wo all ihr Sehnen Erfüllung findet.

R.I.P.
Requiem und Beerdigung fanden am 19. November 2015 in Vierzehnheiligen statt.
Sr. M. Hildeburgas Leib ruht im Schwesternfriedhof in Vierzehnheiligen.

(Mit freundlicher Genehmigung der St. Franziskusschwestern Vierzehnheiligen)

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Trauerrede von Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Uwe Thoma:

Ehrwürdige Schwestern,
werte trauernde Angehörige,
werte Trauergemeinde,

die Katholische Kirchenstiftung Rosenkranzkönigin Wickendorf nimmt heute Abschied von Schwester Hildeburga, die 28 Jahre als Krankenschwester und Erzieherin in der Schwesternstation Wickendorf tätig war und segensreich gewirkt hat.

Im Psalm 91 heißt es: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest“.

So ein Engel wurde uns in Wickendorf durch Schwester Hildeburga geschenkt. Im Kindergarten kümmerte sie sich als Erzieherin liebevoll um die Kinder aus Wickendorf, Marienroth und Förtschendorf. Die Kindergartenzeit mit den Ordensschwestern ist bis heute allen in guter Erinnerung, prägte viele von uns und genießt einen hohen Stellenwert in unseren Gemeinden.

Und wenn der Fuß an einen Stein gestoßen ist, konnte man Schwester Hildeburga als Krankenschwester um Rat und Hilfe bitten. Schnell war sie mit ihrem Moped zur Stelle und so konnte sie fast einen Arzt ersetzen.

Ein aufgeschundenes Knie mit Jod überträufelt und verbunden, danach konnte gleich weiter Fußball gespielt werden. Solche Erinnerungen werden immer mit Schwester Hildeburga verbunden sein.

Mit dem Vorsatz für die Menschen da zu sein, hat sie in den 28 Jahren in Wickendorf die ihr anvertrauten Kinder und Menschen in den Vordergrund gestellt. Schwester Hildeburga hat Spuren hinterlassen. Die wichtigsten in den Herzen der Menschen.

Gerade jetzt in dieser Stunde des Abschiednehmens wird nicht zuletzt durch die Anwesenheit so vieler Menschen sichtbar, welche Bedeutung sie für die Menschen hatte.

So schließt sich nun der Kreis ihres Lebens, einem Leben das Schwester Hildeburga in der Hoffnung auf die Auferstehung am 15. November in die Hand Gottes zurückgegeben hat. Möge sie nun jene Heimat gefunden haben, zu der sie als Pilger durch die Zeit mit den vielen Menschen aus dem Frankenwald unterwegs gewesen ist.

Im Namen der Kirchenstiftung Wickendorf, des Pfarrgemeinderates und aller Wickendorfer lege ich ein Blumengebinde nieder. – Ruhe in Frieden.