Mahnläuten und Beten für den Frieden

Kirchenglocken im Erzbistum läuten zum Gedenken an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren

Bamberg. (bbk) Zu einem Mahnläuten gegen den Krieg und für den Frieden hat der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick aufgerufen. Im Erzbistum Bamberg sollen zum Gedenken an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren am Montag, 1. September, um 19.00 Uhr die Glocken in allen Kirchen des Erzbistums läuten. Außerdem ruft der Bamberger Oberhirte in einer Mitteiung an die Pfarreien dazu auf, in den Gottesdiensten am Wochenende zuvor in den Fürbitten für den Frieden zu beten. Nachfolgend der Brief von Erzbischof Schick im Wortlaut:

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonischen Dienst,
liebe pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!

Vor 75 Jahren, am frühen Morgen des 1. Septembers, begann der Zweite Weltkrieg. Ohne jede Kriegserklärung warfen gegen 4.45 Uhr deutsche Stukas Bomben über der westpolnischen Stadt Wieluń ab und machten sie dem Erdboden gleich. Kurz darauf griff ein deutsches Panzerschiff, das sich zu einem „Freundschaftsbesuch“ in Danzig aufhielt, die polnische Militärgarnison auf der „Westerplatte“ an.

„Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen“, erklärte Hitler am Vormittag des 1. Septembers. „Zurückgeschossen“ bezog sich auf den fingierten Angriff auf den Radiosender Gleiwitz durch deutsche Soldaten in polnischen Soldatenanzügen am Vorabend des 31. August 1939.

Im Krieg von 1939-1945 verloren 60 bis 70 Millionen Menschen ihr Leben. Leiden, Qualen, Grausamkeiten, Hunger und Elend, Zerstörung und massenhafte Tötungen dieser Jahre sind unvorstellbar und unbegreiflich. Was wir derzeit vom Irak und Syrien, von der Ukraine, Nigeria und Gaza tagtäglich in den Medien sehen oder berichtet bekommen, geschah vor 75 und den folgenden Jahren in ähnlicher Weise und noch schlimmer in Europa und breitete sich auf die ganze Welt aus, circa 60 Staaten waren am Zweiten Weltkrieg beteiligt.

Der Zweite Weltkrieg ist von Nazideutschland ausgegangen. Uns heutige Deutsche trifft keine „Kollektivschuld“, aber wir haben eine „Kollektivverantwortung“ für den Frieden in der Welt. Eine solche Katastrophe darf sich nicht wiederholen.

Ich möchte Sie deshalb bitten, am kommenden Montag, 1. September, um 19.00 Uhr die Glocken in Ihren Kirchen 10 Minuten lang zu läuten, um ein Zeichen gegen jeden Krieg und für den Frieden zu setzen. Beten Sie in allen Gottesdiensten am Samstag und Sonntag eine Fürbitte für den Frieden. Zum Beispiel: „ Vor 75 Jahren begann der Zweite Weltkrieg. Befreie alle Völker und Nationen von Krieg und Terror, schenke und erhalte unserer Welt den Frieden.“ Laden Sie die Gläubigen zudem ein, sich für den Frieden in der Welt mit allen ihren Möglichkeiten einzusetzen und täglich für den Frieden zu beten.

Vielen Dank für Ihre Kooperationsbereitschaft und Ihre Mitwirkung.

Ich wünsche Ihnen weiterhin eine gesegnete Ferienzeit und grüße Sie herzlich.

Ihr Erzbischof

Dr. Ludwig Schick
Erzbischof von Bamberg