Im Licht der Osterkerze

Liebe Pfarrgemeinde,
in einem unserer Lieder aus dem Gotteslob heißt es: „Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen“ (Nr. 654). Immer wieder bewahrheitet sich dieser Satz, denn das Sterben und der Tod von Menschen, die uns bedeutsam und vertraut sind, durchbrechen unseren gewohnten Rhythmus und umfangen unser Leben.
In einem weiteren Lied aus unserem Gotteslob heißt es aber auch: „Und sind wir einmal müde, dann stell ein Licht uns aus, o Gott, in deiner Güte, dann finden wir nach Haus“ (Nr. 656,5). Es ist wahr, unsere Zeit hier auf der Erde ist begrenzt, und wir haben auch nur ein Gastrecht in dieser Welt. Es stimmt aber auch, dass uns ein wegweisendes Licht aufgestellt ist, damit wir in unsere wahre Heimat finden, wo uns für alle Zeit ein Platz bereitet ist.
Dieses Licht ist uns aufgestellt im Licht der Osterkerze. Daher brennt zu jeder Beerdigung den ganzen Tag über, in der jeweiligen Kirche unserer Gemeinden, die Osterkerze. Im Licht der Osterkerze sehen wir, dass der Tod seine Macht verloren hat. Denn Gott hat seinen Sohn aus Tod und Grab zum Leben auferweckt. Seit jenem Ostersonntagmorgen ist ein Tag angebrochen, der keinen Abend mehr kennt.
Im Licht der Osterkerze finden unsere Verstorbenen nach Hause. Im Licht der Osterkerze sehen aber auch wir, die wir zurückbleiben, dass es auch für uns eine Heimat gibt. Denn das Licht der Osterkerze sagt uns vertrauensvoll zu, dass uns unsere Verstorbenen „nur“ vorausgegangen sind, und es eine zeitlose und lebendige Gemeinschaft im Reich Gottes gibt.

Pfarrer Joachim Lindner